Warum sagte der Schwulen-Aktivist kurz vor seinem Tod doch „Ja“?
(pst). Die Nachricht von seinem Tod traf die meisten völlig unvorbereitet – hatte Rosa von Praunheim doch erst fünf Tage zuvor seinen langjährigen Lebensgefährten Oliver Sechting geheiratet. Die beiden waren seit 2008 ein Paar und hatten ihre Beziehung rechtlich bereits über notarielle Vereinbarungen abgesichert. Noch 2018 sagte Rosa zu „Schwulissimo“, eine Ehe mit Oliver komme für beide nicht in Frage, was die kurzfristige Liebeswende noch bemerkenswerter erscheinen lässt. Hochzeiten scheint er aber sowieso eher pragmatisch gesehen zu haben: Bereits Ende der 1960er Jahre schloss der Regisseur, Autor und spätere LGBTQ+-Aktivist eine „Zweckehe“ mit der Schauspielerin Carla Egerer, um unter anderem ein Ehestandsdarlehen für Filmprojekte zu erhalten, wie er mehrfach bestätigte. Dass der streitbare Künstler nun mit 83 verstorben ist, hinterlässt eine echte Lücke in der Kulturszene. Rosa selbst, der mit bürgerlichem Namen Holger Mischwitzky hieß, hatte jedoch keine Angst vor dem Tod, wie er „queer.de“ Anfang des Jahres verriet: „Im Gegenteil: Ich freue mich auf den Tod. Ich finde das eine Befreiung. Und jemand wie ich, der wie eine Ratte mehr als 50 Jahre gearbeitet hat, der sieht das als eine wunderschöne Sache an, mit Ruhe und Ausruhen.“

